Griechisch-orthodoxe Kirche kritisiert Akropolis-Videoanimation
Im Parthenon-Saal des Akropolismuseums läuft eine permanente Videoinstallation, in der die Besonderheiten des Parthenons und seine Geschichte gezeigt werden. Zu der gehören neben den immer wiederkehrenden Zerstörungen durch Brände, Kriege usw. auch abenteuerlichste Umbauten. Mal ragte zeitweise eine Kirchenkuppel aus den Säulen hervor, mal ein Minarett und die Venezianer haben offensichtlich mit mittelalterlich anmutenden Burgzinnen nicht gespart.
Natürlich ist man mit den nach heutigem Verständnis eizigartigen antiken Schätzen nicht zimperlich umgegangen, und da in frühchristlicher Zeit die antiken Götterstatuen als Blasphemie angesehen wurden, haben sich offensichtlich auch orthodoxe Priester an der Beseitigung der “falschen Idole” beteiligt. So ist jedenfalls eine kurze Animationssequenz des Videos zu interpretieren, das ich selber letzte Woche gesehen habe. Es ist definitiv hervorragend gemacht und trägt immens zum Verständnis der Bauweise, der Geschichte und der Bedeutung des Parthenons bei. Folgerichtig hat die Videoinstallation ihren verdienten Platz im Innenraum des Parthenonsaals. Die griechisch-orthodoxe Kirche hingegen zeigt sich brüskiert und Erzbischof Hieronymus fordert, das Video nicht mehr zu zeigen. Man sei “erzürnt”. Bei allem Respekt für die Kirche scheint mir ein derart beleidigtes Verhalten abwegig. Die kurze Sequenz greift in keiner Weise die orthodoxe Kirche an, es sind lediglich in einer Art Zeitraffer verschiedenste Personengruppen zu sehen, die Elemente des Tempels verändern bzw. zerstören.
Update 13.08.09: Der Griechenland-Zeitung zufolge bleibt nach einigem Hin-und-Her der Film nun wie er ist. Da sind sich die Museumsleitung und der Regisseur Gavras einig. Eine Zensur des Films lässt er ohnehin nicht zu und außerdem seien die dargestellten Personen keine Priester sondern sähen nur zufällig so aus. Na ja, ich habe es ja selbst gesehen, klar sollen es orthodoxe Priester sein. Aber so war die Geschichte nun mal gewesen.

